Interview Han Steutel

Han Steutel ist Präsident des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller e.V (vfa) in Berlin und engagiert sich ehrenamtlich als Kuratoriumsmitglied in der Stiftung Immunonkologie.

Im Interview Anfang 2017 erläuterte er die Zielsetzung der damals neu gegründeten Stiftung. Heute, vier Jahre später, spricht er darüber, wie er die Entwicklung der Stiftung wahrgenommen hat und welches Projekt ihm dabei ein besonderes Augenmerk ist.

1.

Herr Steutel, als Präsident des vfa haben Sie einen übergeordneten Blick auf das komplexe
Gesundheitswesen in Deutschland. Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Stiftungen in diesem
System?

Ein Gesundheitssystem, das sich entwickeln soll, braucht Impulse. Ansonsten brät es nur in seinem eigenen Saft. Und das ist nie gut! Die Rolle eines solchen Impulsgebers können Stiftungen sehr gut spielen. Das zeigt etwa die Bertelsmann-Stiftung für die gesamte Gesellschaft und die Stiftung Immunonkologie für den Bereich der Krebstherapie.

2.

Das Gesundheitswesen befindet sich in einem stetigen Wandel und ist aktuell stark von der
Diskussion um die COVID-19-Pandemie geprägt. Wie betrachten Sie die generelle Entwicklung des
Gesundheitswesens in Deutschland und was hat sich durch COVID-19 verändert? Welche Impulse
können Stiftungen geben, hier interdisziplinäre Brücken zu schlagen?

Covid-19 hat eine unerwartete Seite des Gesundheitswesens zu Tage gefördert: Die Flexibilität. Das war natürlich der Not geschuldet. Vieles ging, weil es gehen musste. Es würde sich aber schon lohnen, für die Zukunft einmal zu überlegen, wie das Gesundheitswesen eine größere Flexibilität aus dem Alarm- in den Normalzustand mitnehmen kann.

3.

Die Stiftung Immunonkologie fördert seit nun mehr fünf Jahren Projekte Dritter, initiiert aber auch
eigene operative Maßnahmen, mit dem Ziel, die Lebensqualität von Krebspatientinnen und –
patienten zu verbessern. Wie betrachten Sie die Entwicklung der Stiftung und wo kann die Stiftung
in Zukunft noch aktiver werden? (Vgl. Netzwerkgedanke der Stiftung, Forum Immunonkologie

Die Stiftung Immunonkologie hat sich hochkarätiger wissenschaftlicher Projekte angenommen. Das ist der richtige Weg, um wahrgenommen zu werden. Nur wenn Projekte Erkenntnisgewinn liefern, können sie nachhaltig helfen. Vielleicht liegt ein Zukunftsfeld darin, die Ergebnisse dieser Projekte durch eine spezielle Didaktik auch laienverständlich für die Öffentlichkeit zu übersetzen. Das könnte das Fundament der Immunonkologie in Deutschland stärken. Denn Krebs ist ein Thema, das viele in Deutschland bewegt und leider auch betrifft.

4.

Sie engagieren sich seit Beginn an als Kuratoriumsmitglied ehrenamtlich für die Stiftung. Gibt es
ein Projekt oder Projekte, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Für mich als Fußballfan war es eine tolle Sache, dass Nationalspieler Emre Can den ersten Avatar der Bristol Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie mit einer Videobotschaft übergeben hat. Der Avatar ist ein Telepräsenzroboter, der Kindern und Jugendlichen mit einer Langzeiterkrankung über eine App auf dem iPad die Teilnahme am Schulunterricht ermöglicht. Das schafft nicht nur Bildungschancen, sondern hält auch menschliche Verbindungen aufrecht.